Wenn es um die Standortvorteile einer Immobilie geht, sind damit meist gute Verkehrsanbindung oder starke Wirtschaft vor Ort gemeint. Für uns gehört aber auch die Möglichkeit dazu, Erholung im direkten Umfeld eines Wohnorts zu finden. Wer im bayerischen Oberland wohnt, lebt da, wo andere Urlaub machen: Klare Badeseen, schöne Dörfer und Städte oder reizvolle Wander- und Fahrradrouten sind nie weit. Mit dieser Serie möchten wir auf die so genannten „weichen Standortfaktoren“ unseres Wirkungsbereichs hinweisen und ganz nebenbei lohnenswerte Ziele für den Miniurlaub vor der Haustür präsentieren.
Schwarze Höllenhunde, eine weiße Frau oder mysteriöse Schatten wurden hier schon gesichtet. Autofahrer berichten von Ausfällen der Bordelektronik auf Höhe der Hardtkapelle, Besucher von plötzlich auftretenden Schwindelanfällen, Gedächtnislücken und dem Gefühl, beobachtet zu werden. Immer wieder spielt auch der Verlust des Gefühls für Raum und Zeit eine Rolle. Ein spektakulärer Fall hat sich vor vergleichsweise kurzer Zeit ereignet: Zwei Mädchen berichten von einem Ausflug zur Kapelle und einem Spaziergang durch den umliegenden Wald. Aus dem Nichts heraus spüren sie starke Schmerzen am Rücken und stellen dort Brandwunden fest. Außerdem, dass mehrere Stunden vergangen waren…
Manche Einheimische meiden die Gegend generell, andere nur nachts – und praktisch alle aus der Region haben eine eigene Gruselgeschichte im Zusammenhang mit der Kapelle parat. Kein Wunder: Immerhin ist sie einer der wenigen Orte in Deutschland, die es mit einer Teufelserscheinung in die Chroniken gebracht haben.
Erbaut wurde die heutige Hardtkapelle, die tagsüber so gar nicht gruselig erscheinen will und eigentlich sogar richtig idyllisch auf einer kleinen Waldlichtung steht, um das Jahr 1865. Die Chroniken berichten allerdings schon seit dem 13. Jahrhundert von einem Vorgängerbau an der Stelle. Schon er war über einem Stein errichtet, der auch heute noch gut durch das Metallgitter hinter dem Portal zu sehen ist: In ihm ist ein tiefer Fußabdruck zu sehen. Es soll der Fußabdruck des Teufels sein.
Folgende Legende existiert dazu: Zwischen Weilheimer und Haunshofener Bauern gab es immer wieder Streit um die Gemeindegrenzen. Die Waldwiesen waren wertvoll zum Austreiben der Viehherden; der Wald selbst wichtig für die Schweinemast. Als es wieder einmal heiß herging, ob denn nun die Weilheimer oder die Haunshofener ihr Vieh dort weiden lassen dürfen, sei plötzlich – hier wird es unklar – ein Hirte oder ein Jüngling aus dem Wald getreten. Mit seinem rechten Fuß auf dem Stein soll er gerufen haben: „So wahr ich trete in diesen Stein / dies ist Haunshofer G’mein.“ Im Hochmittelalter sei ein Fuß auf dem Stein eine übliche Geste von herzoglichen Gesandten gewesen, sagen Heimatforscher. Daher halten sie es für wahrscheinlich, dass eine Autoritätsperson (und kein Jüngling, Hirte oder Höllenfürst) mit dieser Geste die Flur für ihren Herrn in Besitz nahm.
Einen guten Grund, warum nun ausgerechnet Luzifer höchstselbst seinen Fuß (geschätzte Schuhgröße: 36) in den Fels gejagt haben soll, um den sicherlich gottesfürchtigen Haunshofenern in Fragen des Gebietsbeschnitts beizustehen, bleibt die Legende schuldig. Es gibt also keinen Grund, das kleine Kirchlein im Wald nicht zu besuchen – sicherheitshalber tagsüber, versteht sich.
Tipps: Die Hardtkapelle befindet sich an der gleichnamigen Straße von Weilheim nach Bernried, die zum Großteil durch den Wald führt. Eine Stippvisite lässt sich gut auf einer Radtour von Weilheim nach Bernried unterbringen. Der Wanderparkplatz in der Nähe ist Ausgangspunkt für Wanderungen in den Magnetsrieder Hardt.
Die Originalversion dieses Texts ist in dem Buch „Kontraste im Pfaffenwinkel: Geistlichkeit und Genuss“ (Christoph Ulrich, Gmeiner Verlag, 2015) entnommen, exklusiv für „Anders Wohnen“ gefasst und unterliegt dem Urheberrecht. Nachdruck und Vervielfältigung sind ausdrücklich verboten.



