Wohnen -Ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wollte herausfinden, wie örtliche Begebenheiten und politische Einstellung zusammenhängen. Der mit „Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge“ überschriebene Bericht liegt nun vor. Dafür haben Matthias Diermeier, Konrad Doliesen, Melinda Fremerey, Hendrik Böhmer, Jan Engler und Jan Wendt eine Datenbasis erstellt, die die Versorgung in den Bereichen „Digitales“, „Bildung“, „Gesundheit“, Mobilität“ und „Freizeit“ erfasst. Sie haben mit Einwohnern der fast 11.000 Gemeinden Deutschlands gesprochen und gefragt, wie sie die Versorgung etwa mit Hallenbädern, Schulen, Kitas, Internet, Arztpraxen und Krankenhäusern, Straßen oder ÖPNV an ihrem Wohnort einschätzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das als Hintergrund, ist ein privates Wirtschaftsforschungsinstitut, das sich nach eigener Aussage mit Wirtschafts- und Sozialpolitik, dem Bildungssystem und dem Arbeitsmarkt beschäftigt.
Die Relation von örtlicher Versorgung zu politischer Einstellung
Das Ergebnis des Gutachtens, in aller Kürze und stark vereinfacht: Eine knappe Mehrheit der Deutschen sind mit den Gegebenheiten an ihrem Wohnort durchaus zufrieden. Was die Relation so genannter Daseinsvorsorge vor Ort und politischer Entfremdung angeht, hält das IW fest, dass nicht, wie man annehmen könnte, schlechte örtliche Versorgung mit einer Zuwendung zu den politischen Vorstellungen der AfD zusammenhängt. Vielmehr lasse sich, so die Autoren, ein Zusammenhang zwischen AfD-Anhängerschaft und der Einschätzung der örtlichen Begebenheiten feststellen. Menschen, die sich der AfD verbunden fühlen, zeigen sich mehrheitlich unzufrieden mit dem, was sie vor Ort vorfinden.
Das sind bemerkenswerte Ergebnisse. Ebenfalls bemerkenswert ist, was die Urheber des Gutachtens sozusagen auf dem Weg zum Ergebnis zutage förderten: Aus den erfassten Daten hat das IW einen digitalen Atlas gebaut. Mit ihm lässt sich Stadt für Stadt und Dorf für Dorf herausfinden, wie es laut Studie um die Daseinsvorsorge vor Ort bestellt ist. Ergebnis: Spitzenreiter mit einer als „sehr gut“ bewerteten Situation vor Ort ist die Stadt Haar im Landkreis München. Tabellenletzter ist die Gemeinde Hirschthal in Rheinland-Pfalz. Dazwischen: 10.815 Gemeinden, die je nach Platzierung den Kategorien „sehr gut“, „gut“, „mittel“, „schlecht“ und „sehr schlecht“ zugeordnet wurden.
Das Ranking im Landkreis
Die Gemeinden im Landkreis Weilheim-Schongau, das offenbart ein genauer Blick, nehmen das komplette Spektrum ein. Eine herausragende Position bekleidet die Kreisstadt Weilheim: 221. Das ist angesichts fast 19.000 Gemeinden ein Spitzenplatz. Die Weilheimer sind also überdurchschnittlich zufrieden mit dem Angebot an Ämtern, Schulen, Ärzten, Kindergärten, mit der Internetversorgung, der Bahn- und Straßenanbindung, dem ÖPNV und mit den Naherholungsmöglichkeiten. In die Top-Kategorie haben es der Reihe nach auch geschafft: Penzberg, Schongau und Peiting. Am wenigsten zufrieden ist man in Wildsteig, das vom IW das Versorgungs-Prädikat „sehr schlecht“ erhielt.
Einzelwertungen
Einstufung: sehr gut
Weilheim in Oberbayern: 221, Penzberg: 989, Schongau: 1.330, Peiting: 1.986
Einstufung: gut
Peißenberg: 2.192, Hohenfurch: 2.584, Wielenbach: 2.969, Raisting: 3.212, Huglfing: 3.333, Bernried: 3.385, Polling: 3.558, Iffeldorf: 3.652, Altenstadt: 3.854, Schwabbruck: 3.954, Seeshaupt: 4.227
Einstufung: mittel
Obersöchering: 4.566, Sindelsdorf: 4.872, Steingaden: 5.458, Hohenpeißenberg: 5.617, Pähl: 5.660, Eberfing: 5.826, Habach: 5.995, Burggen: 6.484
Einstufung: schlecht
Rottenbuch: 6.993, Antdorf: 7.086, Oberhausen: 7.200, Eglfing: 7.298, Bernbeuren: 7.436, Schwabsoien: 7.866, Ingenried: 8.127, Prem: 8.219
Einstufung: sehr schlecht
Böbing: 8.846, Wessobrunn: 9.219, Wildsteig: 10.129




