Wenn es um die Standortvorteile einer Immobilie geht, sind damit meist gute Verkehrsanbindung oder starke Wirtschaft vor Ort gemeint. Für uns gehört aber auch die Möglichkeit dazu, Erholung im direkten Umfeld eines Wohnorts zu finden. Wer im bayerischen Oberland wohnt, lebt da, wo andere Urlaub machen: Klare Badeseen, schöne Dörfer und Städte oder reizvolle Wander- und Fahrradrouten sind nie weit. Mit dieser Serie möchten wir auf die so genannten „weichen Standortfaktoren“ unseres Wirkungsbereichs hinweisen und ganz nebenbei lohnenswerte Ziele für den Miniurlaub vor der Haustür präsentieren.
Dieser Tipp verbietet sich eigentlich: In den Ferien will sich kein Mensch, schon gar kein Schüler, freiwillig mit Geschichte oder gar Latein beschäftigen. Und doch sei diese Fahrradtour entlang einer alten Römerstraße allen ans Herz gelegt, die Lust auf Bewegung haben und hauptsächlich die schöne Landschaft des oberbayerischen Pfaffenwinkels genießen möchten.
Ein ganz kurzer Exkurs in die Geschichte, plusminus 2026 Jahre in die Vergangenheit: Die Via Claudia Augusta verband den Kern des Römischen Reichs mit den nördlichen Provinzen jenseits der Alpen – von Rom aus gesehen. Sie führte auch durch einen landschaftlich sehr sehenswerten Teil des Pfaffenwinkels. Der Abschnitt ist als Tagestour mit dem Rad zu schaffen. Aber auch Teilabschnitte sind möglich, zum Beispiel 25 Kilometer von Hohenfurch bis Lechbruck. Wie die modernen Straßenbauer folgten auch die Römer dem Lauf des Wassers, so oft sie konnten. Das zeigt auch der Gesamtverlauf der „Kaiserstraße“.
Dass man sie überhaupt gefunden hat, verdanken die Historiker zwei alten Trümmern, genauer: Meilensteinen. Man entdeckte einen in Rabland in Südtirol und einen in Cesiomaggiore bei Feltre in Venetien. Ihre Inschriften waren so gut erhalten, dass sich daraus einiges folgern ließ. Zum Beispiel, dass die Straße zwei Ausgangspunkte hatte: einen in der Nähe von Venedig und einen in der Lombardei. Bei Trient liefen sie zusammen und führten über Reutte nach Donauwörth. In der Regierungszeit von Kaiser Claudius erfuhr die von Drusus als Militärstraße konzipierte Strecke eine überwiegend zivile Entwicklung.
Und so lässt sich auf dem Fahrradsattel mit ein wenig Fantasie nachfühlen, wie ein berittener römischer Kaufmann die Route lechaufwärts empfunden haben muss. Es fällt schwer, nach dieser abwechslungsreichen Tour, die bergauf und bergab durch Altenstadt, vorbei an Schongau, Burggen und am Lechstausee führt, in Lechbruck abzusteigen. Der Forggensee, durch den die Straße einst verlief, ist ja nicht mehr weit. Und Italien eigentlich auch nicht…
Tipp: Die Internet-Seite www.viaclaudia.org widmet sich allen Facetten der Via Claudia Augusta. Mit einer interaktiven Karte können auch Touren geplant werden. Der Internetauftritt des Tourismusverbands Pfaffenwinkel (www.pfaffen-winkel.de) hält ebenfalls eine interaktive Karte und Downloads für die Tourplanung bereit.
Die Originalversion dieses Texts ist in dem Buch „Kontraste im Pfaffenwinkel: Geistlichkeit und Genuss“ (Christoph Ulrich, Gmeiner Verlag, 2015) entnommen, exklusiv für „Anders Wohnen“ gefasst und unterliegt dem Urheberrecht. Nachdruck und Vervielfältigung sind ausdrücklich verboten.



