Wenn es um die Standortvorteile einer Immobilie geht, sind damit meist gute Verkehrsanbindung oder starke Wirtschaft vor Ort gemeint. Für uns gehört aber auch die Möglichkeit dazu, Erholung im direkten Umfeld eines Wohnorts zu finden. Wer im bayerischen Oberland wohnt, lebt da, wo andere Urlaub machen: Klare Badeseen, schöne Dörfer und Städte oder reizvolle Wander- und Fahrradrouten sind nie weit. Mit dieser Serie möchten wir auf die so genannten „weichen Standortfaktoren“ unseres Wirkungsbereichs hinweisen und ganz nebenbei lohnenswerte Ziele für den Miniurlaub vor der Haustür präsentieren.
Es gibt wenig effektivere und zugleich genussvollere Wege, etwas über ein Land und seine Bewohner herauszufinden, als auf einem Markt. Natürlich: Wer durch reist und gut aufpasst, wird einen guten Eindruck von Landschaft, Leuten und Kultur erhalten. Wie die Gegend aber riecht, schmeckt oder sich anfühlt, lässt sich sehr konzentriert auf Regionalmärkten lernen.
Im Urlaub und auf Reisen gehören Märkte ins Pflichtprogramm aller, die sich für mehr als ihr Handtuch auf der Pool-Liege interessieren. Wer jemals in einer südfranzösischen Markthalle zwischen Lavendel-Sträußen, handwerklich hergestellter Seife, auf Eis gelagertem Fisch und reifem Ziegenkäse gestanden, hier geschnuppert und dort probiert hat, wird sein Leben lang nicht vergessen, wie die Provence schmeckt. Die großen Markthallen an der US-amerikanischen Westküste sind ebenso eine olfaktorische Offenbarung wie ein etwas anderes Pazifik-Aquarium. Die traditionellen Märkte Südspaniens – zwischen farblich fein abgestuften Pfeffersorten, sonnengereiften Zitrusfrüchten, frisch zubereiteten Tapas und Schweinebeinen – servieren die komprimierte Seele Andalusiens. Regionale Erzeugnisse sind das Destillat der Gegend, aus der sie stammen. Anders ausgedrückt: Durch Geruch, Geschmack und Textur lokaler Erzeugnisse lassen sich Regionen sensorisch aufnehmen.
Es gehört zu den oft verkannten, aber doch sehr wesentlichen Standortvorteilen, dass der Süden Münchens zu allen Jahreszeiten gut riecht, schmeckt und aussieht. Das zeigt sich wunderbar auf den Wochenmärkten der Region. Dienstags bis samstags gibt es jeden Tag die Gelegenheit, einen oder mehrere zu genießen. Ganz beiläufig werden dabei Murnau, Penzberg, Peißenberg, Dießen und Weilheim besucht.
Den Auftakt macht Weilheim: In der Kreisstadt gibt es gleich zwei Märkte; zum Wochenbeginn lockt der kleinere der beiden in die Fußgängerzone. Auf dem Kirchplatz gibt es beim „Grünen Markt“ von 8 bis 13 Uhr vor allem Obst und Gemüse, meist in Bio-Qualität und von Betrieben aus der Weilheimer Umgebung.
Weiter geht’s in Murnau, wo zwölf Händler beim traditionellen Wochenmarkt in der Fußgängerzone am Untermarkt von 7 bis 14 Uhr frisches Obst, Gemüse, Fleisch-, Wurst- und Backwaren, Öle, Pflanzen, Käse, Feinkost und Honig anbieten. Stolz verweist die Marktgemeinde auf die lange Tradition der Institution, die bis ins Mittelalter zurückreicht: „Er wurde erstmals 1350 in einer Urkunde genannt, die Markgraf Ludwig der Brandenburger den Murnauern ausstellte. 1486 verlegte Herzog Albrecht IV. von Bayern den Markt auf Bitten der Murnauer Bürger vom Mittwoch auf den Samstag.“ Nach einer längeren Unterbrechung, so die Gemeinde auf ihrer Internetseite, nahmen die Murnauer diese Tradition wieder 1983 auf und legten sie auf die Wochenmitte.
Wie lang der Penzberger Wochenmarkt existiert, ist nicht eindeutig zu klären. Sicher ist aber, dass auch er eine lange Tradition hat. Immer donnerstags von 8 bis 13 Uhr gibt es auf dem Stadtplatz der ehemaligen Bergwerksstadt unter anderem regionale Spezialitäten, Fisch, frisches Obst und Gemüse, Milch- und Bäckereiprodukte, Kunsthandwerk beziehungsweise Blumen und Pflanzen zu kaufen. Der andere Bergwerksort im östlichen Landkreis Weilheim-Schongau hat fast zeitgleich seinen Wochenmarkt: Auch in Peißenberg ist Donnerstag Markttag; geöffnet haben die Stände am Glückauf-Platz an der Sonnenstraße (Ortsteil: Wörth) von 8 bis 12:30 Uhr.
Der Wochenmarkt in Weilheim, immer freitags von 8 bis 13 Uhr auf dem Marienplatz in der Fußgängerzone, ist für viele Weilheimer ein Pflichttermin, und das nicht nur wegen der vielfältigen Angebote. Zwischen den Wagen von Obst- und Gemüsehändlern, Anbietern von Käse, Milch und Joghurt, Fleisch- und Wurstwaren, Fisch und Meeresfrüchte, Honigprodukten, Pilzen, Eiern, Blumen oder Brot, Semmeln und Brezen lässt es sich wunderbar Freunde und Bekannte treffen. Gut, dass die Markisen der Marktstände beinahe nahtlos übergehen in die der örtlichen Cafés, Restaurants und Eisdielen.
Hohen Freizeitwert hat auch der Wochenmarkt in Dießen, der mit einer Besonderheit aufwartet: Er findet in einer Markthalle statt, ganz in der Nähe des Bahnhofs. Absolut wetterfest gibt es dort Lebensmittel und Kunsthandwerk aus regionaler und überregionaler Erzeugung – und mehrere Möglichkeiten, lokale Gastronomie zu genießen. Neben Bio-Trockenfrüchten, Haushaltswaren, Wild- und Lammfleisch, Ölen und Oliven, Bio-Obst und Gemüse, Kräutern, Käse und Milchprodukten, Bio-Tofu, Honig, Naturkosmetik, Eier, frischer Pasta, Fisch, Brot und Blumen gibt es kulinarische Verlockungen: Kaffee und Frühstück, frische Smoothies, Säfte, Waffeln oder Suppen und Sandwiches. Geöffnet ist, immer samstags, von 8 bis 13 Uhr.



